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            <title>Schimpf und Schande</title>
            <link>http://www.viervierzwei.de/index.php?mode=viewid&amp;post_id=121</link>
            <pubDate>30 May 2010 01:02:14 pm GMT +</pubDate>
            <category>Kapitel</category>
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            <description>[imgl]http://www.viervierzwei.de/images/Mai10.jpg[/imgl]Einst war er in jedem Bundesligastadion zu finden, heute muss man tief in die unteren Ligen abtauchen, um noch auf ein Exemplar in freier Wildbahn zu stoßen, die Versitzplatzung und die damit gestiegenen Eintrittspreise im Profifußball haben den angestammten Lebensraum dieser inzwischen gefährdeten Spezies arg schrumpfen lassen. Die Rede ist vom klassischen Mecker-Opa. Früher traf man ihn häufig ganz unten am Rand eines Stehplatzblocks, stets alleine, wie es für einen ausgeprägten Einzelgänger üblich ist, denn die Gesellschaft anderer würde ihn nur bei der uneingeschränkten Ausübung seiner spieltäglichen Pflicht stören: Schimpfen. Über alles und jeden, manchmal sogar den Gegner, vornehmlich aber über die Spieler der eigenen Mannschaft, den Trainer, den Vorstand, den DFB, die Schiedsrichter und wenn sich sonst gerade nichts anderes anbietet auch den Fußballsport im Allgemeinen, denn zu seiner Zeit – wann immer das gewesen sein mag – war das noch ein ehrliches Spiel unter Männern, knochenhart, nichts für Weicheier, und Geld hätte es sowieso keines gegeben, damals wären sie glücklich gewesen, wenn sie nach neunzig Minuten barfuß auf Asche eine lauwarme Brotsuppe serviert bekamen. 

Optisch war der Mecker-Opa schnell auszumachen, die klischeehaften Ausführungen trugen Schiebermütze und rauchten dazu Zigarrenstummel, welche ihre weit vernehmbaren verbalen Ausführungen an Stinkigkeit noch zu überbieten versuchten. Unmöglich war es allerdings, den Antrieb ihres vierzehntägigen Erscheinens zu erkennen, die Liebe zum Verein kann es kaum gewesen sein, jedenfalls möchte man schlichtweg nicht davon ausgehen, dass es tatsächlich Menschen gibt, die keine anderen Wege finden, ihrer Zuneigung Ausdruck zu verleihen.

Das allmähliche Verschwinden des Mecker-Opas in der letzten Dekade könnte vielleicht auch dem Alter geschuldet sein, gehörten die einstigen Vertreter doch stadionübergreifend ein und dergleichen Generation an, wodurch vielleicht auch ein wenig die Verbitterung zu erklären wäre. Wer in seiner Jugend einmal die Reise Heimat-Russland und zurück zu Fuß antreten durfte, hat womöglich weniger Verständnis für die Unpässlichkeiten heutiger Jungprofis übrig. 

Derzeit findet man ihn jedenfalls kaum noch, wer aber genau hinhört, kann immer wieder die Kinder und Kindeskinder des Mecker-Opas in seiner Umgebung ausmachen. Optisch kaum von anderen Stadionbesuchern zu unterscheiden, hat man auch heute noch gelegentlich einen Kandidaten – es sind in der Tat immer männliche Vertreter, Schimpfe-Omas hat es auch früher nicht gegeben – in seiner Nähe, dessen einziger Beitrag zum Gebotenen auf dem Rasen eine neunzigminütige Schimpfkanonade darstellt. In diesem Falle lässt sich die destruktive Grundhaltung altersbedingt jedenfalls nicht mehr mit Kriegserlebnissen erklären, hier muss eingehender geforscht werden. Wer jemals den Dialog mit dem Mecker-Volk gesucht hat – was beileibe kein angenehmes Unterfangen ist – wird auf drei mögliche Ursachen stoßen. 

Zum einen gibt es die berufliche Frustration. Wer fünf Tage die Woche immer wieder die eigene Position in der Hierarchie am Arbeitsplatz unter die Nase gerieben bekommt, versucht sich eben am Wochenende Luft zu verschaffen, indem er seinen Frust auf andere Wehrlose abwälzt. Wenn es dem Schimpfenden durch diesen Verbal-Hooliganismus besser geht, mag das subjektiv schön und gut sein, den Beschimpften schadet es nämlich nicht, da sie nichts davon mitbekommen, es leiden einzig – und das ist objektiv die Crux –  sämtliche Stadionbesucher in Hörweite.

Die beruflichen Mecker-Gründe treten häufig gepaart mit einer weiteren möglichen Ursache auf, dem Sozialneid. Der Schimpfende rechtfertigt sein Verhalten damit, dass er sofort seine Papiere in der Personalabteilung abholen könne, wenn er werktags eine entsprechende Arbeit wie die der Akteure auf dem Rasen abliefere. Aber die feinen Herren Fußballprofis verdienen sich dumm und dämlich, und wenn sie keine Lust haben, gute Leistung zu zeigen, dann lassen sie es einfach. Dabei vergisst der Schimpfer, dass für seinen Arbeitsplatz in der Regel leider keine außergewöhnliche Begabung vonnöten war, sondern lediglich eine Ausbildung, die viele andere ebenso genossen haben, was ihn in seiner Rolle bedauerlicherweise ziemlich austauschbar macht. An dieser Stelle folgt dann gerne der fließende Übergang vom Sozialneid zur Konsumhaltung. ER habe ja nun für dieses Spiel bezahlt, also muss IHM auch was geboten werden, schließlich zahle ER ja auch mit seinem Eintritt die Gehälter der Stümper auf dem Platz. Mit dieser Einstellung hätte er sich vielleicht besser für einen Musicalbesuch entschieden, die dortigen Akteure sind schließlich bekannt für ihre allabendlichen konstanten Leistungen. Fußballspiele sind weniger starr im Ablauf, wodurch es zu Abweichungen kommen kann, in denen andere Stadionbesucher sogar einen gewissen Reiz erkennen können, da man vorher nicht wissen kann, was passiert. Wer darauf keinen Wert legt, ist vielleicht beim Rekordmeister besser aufgehoben.

Den unangenehmsten Mecker-Beweggrund stellt aber wohl die Besserwisserei dar. Der Schimpfende unterstellt dem Trainer vollkommene Stümperei, er selbst würde da ganz anders durchgreifen, die überbezahlten Herrschaften würden sich aber mal ganz schnell auf der Bank wiederfinden und dürften dann den jungen, hungrigen Spielern dabei zugucken, wie sie das Ruder rumreißen. Was natürlich genau so passieren würde, wenn der Schimpfer nur das Sagen hätte. Da das aber nicht passiert, wird den umstehenden Stadionbesuchern stattdessen haarklein erläutert, welche der vielen vergebenen Torchancen der Mecker-Opa-Enkel aber ganz sicher versenkt hätte, wenn er denn da unten spielen würde.

Sollte sich ein Leser in diesen Zeilen wiedererkennen, bitte ich einmal um einen ganz kleinen Gedanken an all die lauteren Stadionbesucher, die an der unerfüllten Situation des Meckerers keine Schuld trifft, die aber unter deren Auswüchsen als einzige in vollem Umfang leiden müssen. Es ist schon schwer genug, die Fassung zu wahren, während man dem geliebten Verein bei einer vernichtenden Niederlage beiwohnen muss; durch ein neunzigminütiges Schimpfe-Stakkato wird es aber ganz sicher nicht besser – weder auf dem Platz noch auf den Rängen. Vielleicht sollte man es eher mit Aufmunterung probieren, selbst in der dunkelsten Stunde. Irgendeinen Grund wird es ja haben, dass der Begriff 'Supporter' als Beschreibung für einen beherzten Fan den Weg in den deutschen Sprachschatz gefunden hat. Mecker-Opas und deren Folgegenerationen werden damit ganz sicher nicht gemeint sein.</description>
            <content:encoded><![CDATA[<p>[imgl]http://www.viervierzwei.de/images/Mai10.jpg[/imgl]Einst war er in jedem Bundesligastadion zu finden, heute muss man tief in die unteren Ligen abtauchen, um noch auf ein Exemplar in freier Wildbahn zu stoßen, die Versitzplatzung und die damit gestiegenen Eintrittspreise im Profifußball haben den angestammten Lebensraum dieser inzwischen gefährdeten Spezies arg schrumpfen lassen. Die Rede ist vom klassischen Mecker-Opa. Früher traf man ihn häufig ganz unten am Rand eines Stehplatzblocks, stets alleine, wie es für einen ausgeprägten Einzelgänger üblich ist, denn die Gesellschaft anderer würde ihn nur bei der uneingeschränkten Ausübung seiner spieltäglichen Pflicht stören: Schimpfen. Über alles und jeden, manchmal sogar den Gegner, vornehmlich aber über die Spieler der eigenen Mannschaft, den Trainer, den Vorstand, den DFB, die Schiedsrichter und wenn sich sonst gerade nichts anderes anbietet auch den Fußballsport im Allgemeinen, denn zu seiner Zeit – wann immer das gewesen sein mag – war das noch ein ehrliches Spiel unter Männern, knochenhart, nichts für Weicheier, und Geld hätte es sowieso keines gegeben, damals wären sie glücklich gewesen, wenn sie nach neunzig Minuten barfuß auf Asche eine lauwarme Brotsuppe serviert bekamen. 

Optisch war der Mecker-Opa schnell auszumachen, die klischeehaften Ausführungen trugen Schiebermütze und rauchten dazu Zigarrenstummel, welche ihre weit vernehmbaren verbalen Ausführungen an Stinkigkeit noch zu überbieten versuchten. Unmöglich war es allerdings, den Antrieb ihres vierzehntägigen Erscheinens zu erkennen, die Liebe zum Verein kann es kaum gewesen sein, jedenfalls möchte man schlichtweg nicht davon ausgehen, dass es tatsächlich Menschen gibt, die keine anderen Wege finden, ihrer Zuneigung Ausdruck zu verleihen.

Das allmähliche Verschwinden des Mecker-Opas in der letzten Dekade könnte vielleicht auch dem Alter geschuldet sein, gehörten die einstigen Vertreter doch stadionübergreifend ein und dergleichen Generation an, wodurch vielleicht auch ein wenig die Verbitterung zu erklären wäre. Wer in seiner Jugend einmal die Reise Heimat-Russland und zurück zu Fuß antreten durfte, hat womöglich weniger Verständnis für die Unpässlichkeiten heutiger Jungprofis übrig. 

Derzeit findet man ihn jedenfalls kaum noch, wer aber genau hinhört, kann immer wieder die Kinder und Kindeskinder des Mecker-Opas in seiner Umgebung ausmachen. Optisch kaum von anderen Stadionbesuchern zu unterscheiden, hat man auch heute noch gelegentlich einen Kandidaten – es sind in der Tat immer männliche Vertreter, Schimpfe-Omas hat es auch früher nicht gegeben – in seiner Nähe, dessen einziger Beitrag zum Gebotenen auf dem Rasen eine neunzigminütige Schimpfkanonade darstellt. In diesem Falle lässt sich die destruktive Grundhaltung altersbedingt jedenfalls nicht mehr mit Kriegserlebnissen erklären, hier muss eingehender geforscht werden. Wer jemals den Dialog mit dem Mecker-Volk gesucht hat – was beileibe kein angenehmes Unterfangen ist – wird auf drei mögliche Ursachen stoßen. 

Zum einen gibt es die berufliche Frustration. Wer fünf Tage die Woche immer wieder die eigene Position in der Hierarchie am Arbeitsplatz unter die Nase gerieben bekommt, versucht sich eben am Wochenende Luft zu verschaffen, indem er seinen Frust auf andere Wehrlose abwälzt. Wenn es dem Schimpfenden durch diesen Verbal-Hooliganismus besser geht, mag das subjektiv schön und gut sein, den Beschimpften schadet es nämlich nicht, da sie nichts davon mitbekommen, es leiden einzig – und das ist objektiv die Crux –  sämtliche Stadionbesucher in Hörweite.

Die beruflichen Mecker-Gründe treten häufig gepaart mit einer weiteren möglichen Ursache auf, dem Sozialneid. Der Schimpfende rechtfertigt sein Verhalten damit, dass er sofort seine Papiere in der Personalabteilung abholen könne, wenn er werktags eine entsprechende Arbeit wie die der Akteure auf dem Rasen abliefere. Aber die feinen Herren Fußballprofis verdienen sich dumm und dämlich, und wenn sie keine Lust haben, gute Leistung zu zeigen, dann lassen sie es einfach. Dabei vergisst der Schimpfer, dass für seinen Arbeitsplatz in der Regel leider keine außergewöhnliche Begabung vonnöten war, sondern lediglich eine Ausbildung, die viele andere ebenso genossen haben, was ihn in seiner Rolle bedauerlicherweise ziemlich austauschbar macht. An dieser Stelle folgt dann gerne der fließende Übergang vom Sozialneid zur Konsumhaltung. ER habe ja nun für dieses Spiel bezahlt, also muss IHM auch was geboten werden, schließlich zahle ER ja auch mit seinem Eintritt die Gehälter der Stümper auf dem Platz. Mit dieser Einstellung hätte er sich vielleicht besser für einen Musicalbesuch entschieden, die dortigen Akteure sind schließlich bekannt für ihre allabendlichen konstanten Leistungen. Fußballspiele sind weniger starr im Ablauf, wodurch es zu Abweichungen kommen kann, in denen andere Stadionbesucher sogar einen gewissen Reiz erkennen können, da man vorher nicht wissen kann, was passiert. Wer darauf keinen Wert legt, ist vielleicht beim Rekordmeister besser aufgehoben.

Den unangenehmsten Mecker-Beweggrund stellt aber wohl die Besserwisserei dar. Der Schimpfende unterstellt dem Trainer vollkommene Stümperei, er selbst würde da ganz anders durchgreifen, die überbezahlten Herrschaften würden sich aber mal ganz schnell auf der Bank wiederfinden und dürften dann den jungen, hungrigen Spielern dabei zugucken, wie sie das Ruder rumreißen. Was natürlich genau so passieren würde, wenn der Schimpfer nur das Sagen hätte. Da das aber nicht passiert, wird den umstehenden Stadionbesuchern stattdessen haarklein erläutert, welche der vielen vergebenen Torchancen der Mecker-Opa-Enkel aber ganz sicher versenkt hätte, wenn er denn da unten spielen würde.

Sollte sich ein Leser in diesen Zeilen wiedererkennen, bitte ich einmal um einen ganz kleinen Gedanken an all die lauteren Stadionbesucher, die an der unerfüllten Situation des Meckerers keine Schuld trifft, die aber unter deren Auswüchsen als einzige in vollem Umfang leiden müssen. Es ist schon schwer genug, die Fassung zu wahren, während man dem geliebten Verein bei einer vernichtenden Niederlage beiwohnen muss; durch ein neunzigminütiges Schimpfe-Stakkato wird es aber ganz sicher nicht besser – weder auf dem Platz noch auf den Rängen. Vielleicht sollte man es eher mit Aufmunterung probieren, selbst in der dunkelsten Stunde. Irgendeinen Grund wird es ja haben, dass der Begriff 'Supporter' als Beschreibung für einen beherzten Fan den Weg in den deutschen Sprachschatz gefunden hat. Mecker-Opas und deren Folgegenerationen werden damit ganz sicher nicht gemeint sein....</p>]]></content:encoded>
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                <item>
            <title>34. Spieltag 09/10</title>
            <link>http://www.viervierzwei.de/index.php?mode=viewid&amp;post_id=120</link>
            <pubDate>09 May 2010 04:51:37 pm GMT +</pubDate>
            <category>Interludium</category>
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            <description>[imgl]http://www.viervierzwei.de/images/fcn09-10-1.jpg[/imgl]1. FC Nürnberg - 1.FC Köln  1:0

Letzte Auswärtsfahrt, letzter Spieltag, letzte Niederlage für diese Saison. Und dafür durfte nach Franken gereist werden, wo der Tourismusverband mit dem Satz „Schlemmen wie Gott in Franken“ wirbt. Falls Gott Biertrinker ist (wovon bei genauerer Betrachtung seiner Schöpfung auszugehen ist) und sich schon einmal ins Frankenstadion verirrt hat, hätte er ob der Erzürnung über die hier servierte Gemeinheit sicherlich den Klassenerhalt zu vereiteln gewusst. Hat er aber nicht, außerdem vermittelt die Spielstätte auch nicht unbedingt den Eindruck, der adäquate Aufenthaltsort für höhere Wesen darzustellen. Aber genug gemeckert, an dieser Stelle soll allen Beteiligten für diese letzten Endes doch recht erfolgreiche Saison (Klassenerhalt – nichts regiert besser) gedankt werden, welche einmal mehr bewiesen hat, dass sich Reisestrapazen in vollem Umfang lohnen, durfte sich das geduldsschwache Kölner Heimpublikum doch lediglich an drei Siegen ergötzen. Kein Dank geht nochmals ausdrücklich an den Security-Schergen am Gästeblock in einem degenerierten Chemiekaff unweit meiner Heimatstadt, hat dieser doch mit seiner [url=http://www.viervierzwei.de/index2.php?mode=viewid&amp;amp;post_id=114]Gräueltat[/url] einen weiteren Vierunddreißiger für meine Person verhindert.

Nach der albernen Fußball-Großveranstaltung in diesem Sommer, die wieder scharenweise inkompetente Jubelperser aus ihren Löchern treiben wird, welche sich zu schlecht gekleideten Gruppen formieren, um gemeinsam eine Leinwand anzublöken, darf sich der fundierte Getriebene in Sachen Fußball wieder auf die Auslosung der ersten Pokalrunde freuen, die uns bekannt gibt, welches exotische Reiseziel, fernab der Glitzerarenen mit bescheuerten Sponsorennamen, bereist werden darf. Ich kanns kaum erwarten.

[img]http://www.viervierzwei.de/images/fcn09-10-2.jpg[/img]</description>
            <content:encoded><![CDATA[<p>[imgl]http://www.viervierzwei.de/images/fcn09-10-1.jpg[/imgl]1. FC Nürnberg - 1.FC Köln  1:0

Letzte Auswärtsfahrt, letzter Spieltag, letzte Niederlage für diese Saison. Und dafür durfte nach Franken gereist werden, wo der Tourismusverband mit dem Satz „Schlemmen wie Gott in Franken“ wirbt. Falls Gott Biertrinker ist (wovon bei genauerer Betrachtung seiner Schöpfung auszugehen ist) und sich schon einmal ins Frankenstadion verirrt hat, hätte er ob der Erzürnung über die hier servierte Gemeinheit sicherlich den Klassenerhalt zu vereiteln gewusst. Hat er aber nicht, außerdem vermittelt die Spielstätte auch nicht unbedingt den Eindruck, der adäquate Aufenthaltsort für höhere Wesen darzustellen. Aber genug gemeckert, an dieser Stelle soll allen Beteiligten für diese letzten Endes doch recht erfolgreiche Saison (Klassenerhalt – nichts regiert besser) gedankt werden, welche einmal mehr bewiesen hat, dass sich Reisestrapazen in vollem Umfang lohnen, durfte sich das geduldsschwache Kölner Heimpublikum doch lediglich an drei Siegen ergötzen. Kein Dank geht nochmals ausdrücklich an den Security-Schergen am Gästeblock in einem degenerierten Chemiekaff unweit meiner Heimatstadt, hat dieser doch mit seiner [url=http://www.viervierzwei.de/index2.php?mode=viewid&amp;amp;post_id=114]Gräueltat[/url] einen weiteren Vierunddreißiger für meine Person verhindert.

Nach der albernen Fußball-Großveranstaltung in diesem Sommer, die wieder scharenweise inkompetente Jubelperser aus ihren Löchern treiben wird, welche sich zu schlecht gekleideten Gruppen formieren, um gemeinsam eine Leinwand anzublöken, darf sich der fundierte Getriebene in Sachen Fußball wieder auf die Auslosung der ersten Pokalrunde freuen, die uns bekannt gibt, welches exotische Reiseziel, fernab der Glitzerarenen mit bescheuerten Sponsorennamen, bereist werden darf. Ich kanns kaum erwarten.

[img]http://www.viervierzwei.de/images/fcn09-10-2.jpg[/img]...</p>]]></content:encoded>
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                <item>
            <title>32. Spieltag 09/10</title>
            <link>http://www.viervierzwei.de/index.php?mode=viewid&amp;post_id=119</link>
            <pubDate>25 Apr 2010 05:08:07 pm GMT +</pubDate>
            <category>Interludium</category>
            <guid>http://www.viervierzwei.de/index.php?mode=viewid&amp;post_id=119</guid>
            <description>[imgl]http://www.viervierzwei.de/images/svw09-10-1.jpg[/imgl]Werder Bremen - 1.FC Köln  1:0

Bei eitelstem Sonnenschein machten wir uns in Personenkraftwagen auf die Reise gen kleinstes Bundesland der Welt und stellten unterwegs bei Musik von Eisenpimmel und Lektüre aus dem Hause Fan Treff einmal mehr unter Beweis, dass ein gepflegter Auswärtsanhang mitnichten nur aus niveaulosem Pöbel bestehen muss, nein, einer solchen Reise kann problemlos auch ein intellektueller Anstrich verpasst werden. Nach einem ausgedehnten sommerlichen Lustwandel an den Ufern der Weser –  einem wirklich überschaubaren Flüsschen, aber mit überaus einladender Begrünung rechts und links gesegnet – durfte der Gästeblock auf der frisch umgebauten Tribüne in Augenschein genommen werden, welcher zu einem klaren Urteil kommen ließ: naja. Zwar ist ein Stehplatzbereich im Oberrang ob seiner Seltenheit immer eine willkommene Abwechslung und die langgezogene Kurve wird wohl niemand vermissen, aber die Frage, warum es die hanseatische Ingenieurskunst nicht zu verhindern wusste, dass die Stützpfeiler der Dachkonstruktion durch das Gesichtsfeld des gewogenen Stadionbesuchers verlaufen, bleibt offen. Trotz Sichtbehinderung konnte der FC bei seiner über neunzig Minuten erfolgreichen Abwehrarbeit bewundert werden, welche aber dank eines Handelfmeters in der Nachspielzeit nicht mit Zählbarem belohnt wurde (Sportjournalisten-Jargon regelt). Nach erneutem Weserufer-Flanieren und der Aufnahme von Reiseproviant in Form von exotischen (bundes-)landestypischen Erfrischungen (kein Hasch, kein Crack – nur Haake-Beck) gab es keinen Grund noch länger am Ort der unnötigen Niederlage zu verweilen, was auch sogleich durch den gezielten Einsatz von Heimreisetätigkeit vermieden werden konnte. Zuhause ist es ja doch am schönsten. Und verlieren können wir auch hier.

[img]http://www.viervierzwei.de/images/svw09-10-2.jpg[/img]</description>
            <content:encoded><![CDATA[<p>[imgl]http://www.viervierzwei.de/images/svw09-10-1.jpg[/imgl]Werder Bremen - 1.FC Köln  1:0

Bei eitelstem Sonnenschein machten wir uns in Personenkraftwagen auf die Reise gen kleinstes Bundesland der Welt und stellten unterwegs bei Musik von Eisenpimmel und Lektüre aus dem Hause Fan Treff einmal mehr unter Beweis, dass ein gepflegter Auswärtsanhang mitnichten nur aus niveaulosem Pöbel bestehen muss, nein, einer solchen Reise kann problemlos auch ein intellektueller Anstrich verpasst werden. Nach einem ausgedehnten sommerlichen Lustwandel an den Ufern der Weser –  einem wirklich überschaubaren Flüsschen, aber mit überaus einladender Begrünung rechts und links gesegnet – durfte der Gästeblock auf der frisch umgebauten Tribüne in Augenschein genommen werden, welcher zu einem klaren Urteil kommen ließ: naja. Zwar ist ein Stehplatzbereich im Oberrang ob seiner Seltenheit immer eine willkommene Abwechslung und die langgezogene Kurve wird wohl niemand vermissen, aber die Frage, warum es die hanseatische Ingenieurskunst nicht zu verhindern wusste, dass die Stützpfeiler der Dachkonstruktion durch das Gesichtsfeld des gewogenen Stadionbesuchers verlaufen, bleibt offen. Trotz Sichtbehinderung konnte der FC bei seiner über neunzig Minuten erfolgreichen Abwehrarbeit bewundert werden, welche aber dank eines Handelfmeters in der Nachspielzeit nicht mit Zählbarem belohnt wurde (Sportjournalisten-Jargon regelt). Nach erneutem Weserufer-Flanieren und der Aufnahme von Reiseproviant in Form von exotischen (bundes-)landestypischen Erfrischungen (kein Hasch, kein Crack – nur Haake-Beck) gab es keinen Grund noch länger am Ort der unnötigen Niederlage zu verweilen, was auch sogleich durch den gezielten Einsatz von Heimreisetätigkeit vermieden werden konnte. Zuhause ist es ja doch am schönsten. Und verlieren können wir auch hier.

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        </item>
                <item>
            <title>30. Spieltag 09/10</title>
            <link>http://www.viervierzwei.de/index.php?mode=viewid&amp;post_id=118</link>
            <pubDate>11 Apr 2010 12:08:40 pm GMT +</pubDate>
            <category>Interludium</category>
            <guid>http://www.viervierzwei.de/index.php?mode=viewid&amp;post_id=118</guid>
            <description>[imgl]http://www.viervierzwei.de/images/tsg09-10-1.jpg[/imgl]18,99 € - 1.FC Köln  0:2 

Dank des drakonischen Urteils des weisen DFB-Strafgerichtshofes zu Frankfurt, welches dem 1.FC Köln den Verkauf von Karten für den Gästeblock in der Arena der traditionsreichen TSG untersagte, reisten wir so zivil wie irgend möglich in zwei restlos ausgelasteten Kleinwagen gen Kraichgau. Mit an Bord waren Eintrittskarten im Gegenwert eines dritten Kleinwagens, aber wie sich noch herausstellen sollte, konnten die finanziellen Strapazen gar nicht zu groß sein. Nachdem das Stadion diskret infiltriert wurde, zeichnete sich relativ schnell ab, dass auch weitere Abordnungen aus der schönsten Stadt Deutschlands die Bereiche neben dem leerstehenden Gästeblock zu ihrem adäquaten Aufenthaltsort erklärt hatten. Dank des deeskalierenden (oder planlosen?) Handelns seitens der Ordner konnten sich so zwei Gästeblöcke, angefüllt mit entschlossenen und sangesfreudigen jungen Menschen, bilden, welche, bedingt durch die genretypische Zurückhaltung der Projektkunden, bald mit einer charmanten Mischung aus geistreichem Gepöbel, zielsicheren Provokationen und den beliebtesten Evergreens aus den guten alten Fußballtagen, ungehindert das Stadion beschallen durften. Dem DFB soll an dieser Stelle noch einmal herzlich für die stimmungstechnische Meisterleistung gedankt werden. Das eigentliche Spiel war zwar der Bundesliga nicht würdig, aber dank zweier Matuschyk-Treffern wurde es ein Leichtes, das europapokalreife Niveau auf den Rängen bis zum Schluss zu halten. Leider durften wir auf dem Rückweg noch einen kurzen Abstecher ins beschauliche Rüsselsheim – welches übrigens Touristen aus Jena-Lobeda an dieser Stelle ans Herz gelegt wird, sollten diese einmal an Heimweh leiden – einbauen, da es noch eine Kopfverletzung durch Fachpersonal zu versorgen galt. Diese wurde allerdings nicht durch traditionelle Fußballgewalt verursacht, sondern durch eine hinterhältige Fallstudie der Heckklappe eines ungeliebten Fiat Pandas. Möge er dafür bis ans Ende aller Zeiten in der Autohölle schmoren. Unterm Strich bleibt aber, dass die Auswärtsreise nach Achtzehnneunundneunzig die mit Abstand stimmungsvollste und unterhaltsamste der gesamten Saison war. Bremen und Nürnberg werden sich ordentlich ins Zeug legen müssen, um da auch nur ansatzweise mitzuhalten. Bleibt nur noch, beste Genesungswünsche gen Nippes zu richten. Kopfverletzte immer mit uns!

[img]http://www.viervierzwei.de/images/tsg09-10-2.jpg[/img]</description>
            <content:encoded><![CDATA[<p>[imgl]http://www.viervierzwei.de/images/tsg09-10-1.jpg[/imgl]18,99 € - 1.FC Köln  0:2 

Dank des drakonischen Urteils des weisen DFB-Strafgerichtshofes zu Frankfurt, welches dem 1.FC Köln den Verkauf von Karten für den Gästeblock in der Arena der traditionsreichen TSG untersagte, reisten wir so zivil wie irgend möglich in zwei restlos ausgelasteten Kleinwagen gen Kraichgau. Mit an Bord waren Eintrittskarten im Gegenwert eines dritten Kleinwagens, aber wie sich noch herausstellen sollte, konnten die finanziellen Strapazen gar nicht zu groß sein. Nachdem das Stadion diskret infiltriert wurde, zeichnete sich relativ schnell ab, dass auch weitere Abordnungen aus der schönsten Stadt Deutschlands die Bereiche neben dem leerstehenden Gästeblock zu ihrem adäquaten Aufenthaltsort erklärt hatten. Dank des deeskalierenden (oder planlosen?) Handelns seitens der Ordner konnten sich so zwei Gästeblöcke, angefüllt mit entschlossenen und sangesfreudigen jungen Menschen, bilden, welche, bedingt durch die genretypische Zurückhaltung der Projektkunden, bald mit einer charmanten Mischung aus geistreichem Gepöbel, zielsicheren Provokationen und den beliebtesten Evergreens aus den guten alten Fußballtagen, ungehindert das Stadion beschallen durften. Dem DFB soll an dieser Stelle noch einmal herzlich für die stimmungstechnische Meisterleistung gedankt werden. Das eigentliche Spiel war zwar der Bundesliga nicht würdig, aber dank zweier Matuschyk-Treffern wurde es ein Leichtes, das europapokalreife Niveau auf den Rängen bis zum Schluss zu halten. Leider durften wir auf dem Rückweg noch einen kurzen Abstecher ins beschauliche Rüsselsheim – welches übrigens Touristen aus Jena-Lobeda an dieser Stelle ans Herz gelegt wird, sollten diese einmal an Heimweh leiden – einbauen, da es noch eine Kopfverletzung durch Fachpersonal zu versorgen galt. Diese wurde allerdings nicht durch traditionelle Fußballgewalt verursacht, sondern durch eine hinterhältige Fallstudie der Heckklappe eines ungeliebten Fiat Pandas. Möge er dafür bis ans Ende aller Zeiten in der Autohölle schmoren. Unterm Strich bleibt aber, dass die Auswärtsreise nach Achtzehnneunundneunzig die mit Abstand stimmungsvollste und unterhaltsamste der gesamten Saison war. Bremen und Nürnberg werden sich ordentlich ins Zeug legen müssen, um da auch nur ansatzweise mitzuhalten. Bleibt nur noch, beste Genesungswünsche gen Nippes zu richten. Kopfverletzte immer mit uns!

[img]http://www.viervierzwei.de/images/tsg09-10-2.jpg[/img]...</p>]]></content:encoded>
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                <item>
            <title>Hysterie macht Auflage</title>
            <link>http://www.viervierzwei.de/index.php?mode=viewid&amp;post_id=117</link>
            <pubDate>01 Apr 2010 09:37:26 am GMT +</pubDate>
            <category>Kapitel</category>
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            <description>[imgl]http://www.viervierzwei.de/images/Feb09.jpg[/imgl]Seit einiger Zeit ist in beinahe allen Medien immer wieder von einer “neuen Qualität der Fußballgewalt” oder gar von der “Renaissance des Hooliganismus” die Rede. Nach welchen Zahlen und Fakten diese bedrohliche Neuigkeit errechnet wurde, bleibt dabei meist im Dunkeln. Tatsache hingegen ist, dass die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze in den vergangenen Jahren lediglich einen Zuwachs an Stadionverboten verbuchen konnte, jedoch keinen bezüglich eingeleiteter Strafverfahren. Zwar liegt für die vergangene Spielzeit noch kein Jahresbericht Fußball der ZIS vor, aber zumindest das Innenministerium Baden-Württemberg gab vor kurzem einen Rückgang fußballbezogener Delikte in der laufenden Saison bekannt, was wohl ein objektives Kriterium dafür darstellen dürfte, dass es ganz so schlimm dann doch nicht sein kann. Hinzu kommt, dass die Zuschauerzahlen weiter steigen. Ganz subjektiv scheinen sich also nicht allzu viele Menschen aus Angst um Leib und Leben von einem Stadionbesuch abhalten zu lassen. Woher rührt also die aktuelle Flut an Horrormeldungen über den Volkssport Nummer eins?

Es gibt Gewalt beim Fußball. Das soll gar nicht bestritten oder verharmlost werden. Aber wann war es anders? In den 50er Jahren vielleicht, das mag sein. Damals war man wahrscheinlich so mit Wirtschaftswundern beschäftigt, dass keiner mehr am Wochenende die Fäuste hochbekommen hat. Aber bereits in der darauf folgenden Dekade gab es Fan-Ausschreitungen, lange bevor hierzulande irgendjemand mit dem Begriff Hooligan umzugehen gewusst hätte. Und von den 70ern bis Mitte der 90er Jahre sah sich der Sport mit einem Problem konfrontiert, das alles, was heute im Rahmen von Fußballspielen passiert, in den Schatten stellt. Vielleicht mag es im Vorfeld der zum Sommermärchen hochgejazzten WM im eigenen Land etwas ruhiger geworden sein, aber das war eine von allen Seiten beflügelte Ausnahmesituation und nicht der Alltag. Kurz vor Weihnachten sind die Kinder auch immer ganz artig, ob der Vorfreude auf das große Ereignis. Aber bereits zu Silvester machen sie dann manchmal wieder Unsinn, da der Umgang mit Feuerwerkskörpern Kinder manchmal ein wenig von der Vernunft abdriften lässt. Aber dazu kommen wir später. Auffällig ist jedenfalls, dass nüchtern betrachtet die Fußballgewalt in jüngerer Zeit eher ab- als zuzunehmen scheint.

Die Angst vor der Gewalt aber nicht, ganz im Gegenteil. Nicht nur die Zeitungen mit den bunten Bildern, sondern beinahe die gesamte Presselandschaft wird nämlich nicht müde, dem Leser beinahe täglich die unüberschaubaren Gefahren, welche durch die Randerscheinungen des Sports für die innere Sicherheit und unsere hart erarbeitete Demokratie drohen, zum Frühstück zu servieren. Der unbewanderte Leser schluckt diese Informationen dann brav zusammen mit Kaffee und Mehrkornbrötchen, sind die schockierenden Berichte doch häufig mit aufschlussreichen Zitaten von Koryphäen auf diesem Gebiet angereichert. Gerne wird hierzu, wenn gerade kein anerkannter Fan-Forscher zur Hand ist, ein Polizeigewerkschafter befragt, welcher dann bereitwillig über kriegsähnliche Zustände auf den Straßen berichtet und darüber, dass seine Beamten wie Opferlämmer dem Pöbel zum Fraß vorgeworfen werden. Übertreibungen dieser Art gehören natürlich zu seinem Job, wobei sogar eingeräumt werden muss, dass seit einiger Zeit tatsächlich die Polizei immer öfter als Ziel von Aggressionen am Rande von Fußballspielen herhalten muss. Wobei die Beamten selbst nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung sind, denn auch dem gemäßigten Auswärtsreisenden in Sachen Fußball wird nicht verborgen geblieben sein, dass das Tischtuch zwischen Fans und Polizei regelmäßig von beiden Seiten neue Risse bekommt. Wenn Anhänger von Repression und Willkür sprechen, wird dies - auch dank der einseitigen medialen Berichterstattung - häufig als Schutzbehauptung abgetan oder bestenfalls belächelt. Wer sich aber einer entsprechenden Situationen einmal ausgesetzt sieht, wird schnell feststellen, dass eine gewisse Vorverurteilung seitens der Exekutive nicht von der Hand zu weisen ist. Daraus resultiert schnell ein prophylaktisch hartes Vorgehen, welches auf der Gegenseite ganz sicher nicht zu besserem Benehmen anregt. Von dieser Seite ist tatsächlich eine Zunahme der Gewalt erkennbar. Nie zuvor wurde so unbedacht von Pfefferspray Gebrauch gemacht und wurden derart leichfertig Stadionverbote mit der groben Kelle verteilt. Im Nachhinein können solche Maßnahmen dann als Gefahrenabwehr verkauft werden. Niemandem werden beim Kauf eines Sportwagens in weiser Voraussicht fünf Punkte in Flensburg gutgeschrieben, obwohl doch bereits der Kauf an sich auf eine etwas zügigere Fahrweise hindeuten könnte, aber ein Fußballfan auf Auswärtsfahrt wird häufig durch seine bloße Anwesenheit als Chaot abgestempelt, der nur angereist ist, um Raketensprühtöpfe abzubrennen oder anderweitig für Randale zu sorgen. Verhält er sich dann so, wie von ihm erwartet wird, ist das Geschrei nach härterem Vorgehen wieder groß. Verhält er sich anders, wird das als Erfolg der energisch durchgreifenden Polizei verbucht. Rechtmachen kann er es jedenfalls keinem.

Wo wir gerade das Thema angeschnitten haben, seit längerem schon ist in Presse, Funk und Fernsehen in Verbindung mit Pyrotechnik beim Fußball schnell die Rede von Randale oder Krawall. Gibt man diese Begriffe bei Wikipedia ein, wird man zu Vandalismus beziehungsweise Aufruhr weitergeleitet. Die Wortwahl scheint hier also etwas überzogen, zumal die Herren Sportkommentatoren noch vor wenigen Jahren beim Anblick hell erleuchteter Stadionränge gerne von südländischer Atmosphäre schwärmten. Natürlich ist Feuerwerk außerhalb der Jahresendzeit genehmigungspflichtig und selbstverständlich ist es nicht schön, dass vor kurzem im Gästeblock in Bochum beim Spiel gegen Nürnberg der Einsatz von Pyrotechnik zwei Schwerverletzte hervorbrachte. Aber stellen wir diesen Schwerverletzten unter den hunderttausenden Fans, die jeden Spieltag eines der vielen Fußballstadien besuchen, in denen trotz Verbot hin und wieder gezündelt wird, die Anzahl an Versehrten gegenüber, die ein einziger Tag Wintersport während der Saison hervorbringt, dann liegt der Schluss nahe, dass ein gemeiner Skifahrer mehr Potential zum randalierenden Chaoten mitbringt, als ein Fußballfan.

Eine mediale Hetze gegen Wintersportler würde aber vermutlich nicht die Auflage steigern. Obwohl die Maßnahmen im Kampf gegen Skifahrer der Kategorie C einiges an Unterhaltungswert versprächen. Bei den ersten Schneefällen könnten aktenkundigen Pistenrowdies Ausreise- und weiträumige Skigebietverbote erteilt werden, neben der Pflicht, sich dreimal täglich auf einer Polizeistation zu melden, um so heimliches Skilaufen zu unterbinden. Wer sich auf dem Weg zum Skilift ungeschickt anstellt und in eine Ausweiskontrolle gerät, landet schneller in der Datei ’Gewalttäter Ski’, als er sich versehen kann, und schon flattert einem ein dreijähriges Pistenverbot ins Haus. 

In Verbindung mit Wintersport klingt das alles ziemlich albern, für Fußballfans sieht so nicht selten die Realität aus. Wobei natürlich nicht alle Stadionverbote als ungerechtfertigt dargestellt werden sollen, aber was im Augenblick an immer neuen Sanktionen seitens der Verantwortlichen aus dem Ärmel geschüttelt wird, um einem Problem entgegenzuwirken, welchem zwar durch die Medien immer mehr Aufmerksamkeit zuteil wird, welches objektiv gesehen aber nicht an Bedrohlichkeit zunimmt, macht doch ein wenig Sorgen, welche Sau wohl als nächstes durchs Dorf getrieben wird, falls die Pressewelt einmal den Spaß an Kriegsszenarien am Rand von Fußballspielen verloren hat und auf den nächsten Zug aufspringt. Bis es soweit ist, könnte man doch vielleicht die Sau etwas weniger jagen, dafür die Kirche ein bisschen mehr im Dorf lassen, denn solange auf künstlich erzeugte Hysterie mit überzogenem Aktionismus reagiert wird, kann es eigentlich nicht friedlicher werden. Sollte aber irgendein Innenministerium erneut einen Rückgang der fußballbezogenen Delikte vermelden, wird das bestimmt am harten Durchgreifen der Polizeibeamten liegen. Deren Vergehen tauchen in der Statistik ja nicht auf.</description>
            <content:encoded><![CDATA[<p>[imgl]http://www.viervierzwei.de/images/Feb09.jpg[/imgl]Seit einiger Zeit ist in beinahe allen Medien immer wieder von einer “neuen Qualität der Fußballgewalt” oder gar von der “Renaissance des Hooliganismus” die Rede. Nach welchen Zahlen und Fakten diese bedrohliche Neuigkeit errechnet wurde, bleibt dabei meist im Dunkeln. Tatsache hingegen ist, dass die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze in den vergangenen Jahren lediglich einen Zuwachs an Stadionverboten verbuchen konnte, jedoch keinen bezüglich eingeleiteter Strafverfahren. Zwar liegt für die vergangene Spielzeit noch kein Jahresbericht Fußball der ZIS vor, aber zumindest das Innenministerium Baden-Württemberg gab vor kurzem einen Rückgang fußballbezogener Delikte in der laufenden Saison bekannt, was wohl ein objektives Kriterium dafür darstellen dürfte, dass es ganz so schlimm dann doch nicht sein kann. Hinzu kommt, dass die Zuschauerzahlen weiter steigen. Ganz subjektiv scheinen sich also nicht allzu viele Menschen aus Angst um Leib und Leben von einem Stadionbesuch abhalten zu lassen. Woher rührt also die aktuelle Flut an Horrormeldungen über den Volkssport Nummer eins?

Es gibt Gewalt beim Fußball. Das soll gar nicht bestritten oder verharmlost werden. Aber wann war es anders? In den 50er Jahren vielleicht, das mag sein. Damals war man wahrscheinlich so mit Wirtschaftswundern beschäftigt, dass keiner mehr am Wochenende die Fäuste hochbekommen hat. Aber bereits in der darauf folgenden Dekade gab es Fan-Ausschreitungen, lange bevor hierzulande irgendjemand mit dem Begriff Hooligan umzugehen gewusst hätte. Und von den 70ern bis Mitte der 90er Jahre sah sich der Sport mit einem Problem konfrontiert, das alles, was heute im Rahmen von Fußballspielen passiert, in den Schatten stellt. Vielleicht mag es im Vorfeld der zum Sommermärchen hochgejazzten WM im eigenen Land etwas ruhiger geworden sein, aber das war eine von allen Seiten beflügelte Ausnahmesituation und nicht der Alltag. Kurz vor Weihnachten sind die Kinder auch immer ganz artig, ob der Vorfreude auf das große Ereignis. Aber bereits zu Silvester machen sie dann manchmal wieder Unsinn, da der Umgang mit Feuerwerkskörpern Kinder manchmal ein wenig von der Vernunft abdriften lässt. Aber dazu kommen wir später. Auffällig ist jedenfalls, dass nüchtern betrachtet die Fußballgewalt in jüngerer Zeit eher ab- als zuzunehmen scheint.

Die Angst vor der Gewalt aber nicht, ganz im Gegenteil. Nicht nur die Zeitungen mit den bunten Bildern, sondern beinahe die gesamte Presselandschaft wird nämlich nicht müde, dem Leser beinahe täglich die unüberschaubaren Gefahren, welche durch die Randerscheinungen des Sports für die innere Sicherheit und unsere hart erarbeitete Demokratie drohen, zum Frühstück zu servieren. Der unbewanderte Leser schluckt diese Informationen dann brav zusammen mit Kaffee und Mehrkornbrötchen, sind die schockierenden Berichte doch häufig mit aufschlussreichen Zitaten von Koryphäen auf diesem Gebiet angereichert. Gerne wird hierzu, wenn gerade kein anerkannter Fan-Forscher zur Hand ist, ein Polizeigewerkschafter befragt, welcher dann bereitwillig über kriegsähnliche Zustände auf den Straßen berichtet und darüber, dass seine Beamten wie Opferlämmer dem Pöbel zum Fraß vorgeworfen werden. Übertreibungen dieser Art gehören natürlich zu seinem Job, wobei sogar eingeräumt werden muss, dass seit einiger Zeit tatsächlich die Polizei immer öfter als Ziel von Aggressionen am Rande von Fußballspielen herhalten muss. Wobei die Beamten selbst nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung sind, denn auch dem gemäßigten Auswärtsreisenden in Sachen Fußball wird nicht verborgen geblieben sein, dass das Tischtuch zwischen Fans und Polizei regelmäßig von beiden Seiten neue Risse bekommt. Wenn Anhänger von Repression und Willkür sprechen, wird dies - auch dank der einseitigen medialen Berichterstattung - häufig als Schutzbehauptung abgetan oder bestenfalls belächelt. Wer sich aber einer entsprechenden Situationen einmal ausgesetzt sieht, wird schnell feststellen, dass eine gewisse Vorverurteilung seitens der Exekutive nicht von der Hand zu weisen ist. Daraus resultiert schnell ein prophylaktisch hartes Vorgehen, welches auf der Gegenseite ganz sicher nicht zu besserem Benehmen anregt. Von dieser Seite ist tatsächlich eine Zunahme der Gewalt erkennbar. Nie zuvor wurde so unbedacht von Pfefferspray Gebrauch gemacht und wurden derart leichfertig Stadionverbote mit der groben Kelle verteilt. Im Nachhinein können solche Maßnahmen dann als Gefahrenabwehr verkauft werden. Niemandem werden beim Kauf eines Sportwagens in weiser Voraussicht fünf Punkte in Flensburg gutgeschrieben, obwohl doch bereits der Kauf an sich auf eine etwas zügigere Fahrweise hindeuten könnte, aber ein Fußballfan auf Auswärtsfahrt wird häufig durch seine bloße Anwesenheit als Chaot abgestempelt, der nur angereist ist, um Raketensprühtöpfe abzubrennen oder anderweitig für Randale zu sorgen. Verhält er sich dann so, wie von ihm erwartet wird, ist das Geschrei nach härterem Vorgehen wieder groß. Verhält er sich anders, wird das als Erfolg der energisch durchgreifenden Polizei verbucht. Rechtmachen kann er es jedenfalls keinem.

Wo wir gerade das Thema angeschnitten haben, seit längerem schon ist in Presse, Funk und Fernsehen in Verbindung mit Pyrotechnik beim Fußball schnell die Rede von Randale oder Krawall. Gibt man diese Begriffe bei Wikipedia ein, wird man zu Vandalismus beziehungsweise Aufruhr weitergeleitet. Die Wortwahl scheint hier also etwas überzogen, zumal die Herren Sportkommentatoren noch vor wenigen Jahren beim Anblick hell erleuchteter Stadionränge gerne von südländischer Atmosphäre schwärmten. Natürlich ist Feuerwerk außerhalb der Jahresendzeit genehmigungspflichtig und selbstverständlich ist es nicht schön, dass vor kurzem im Gästeblock in Bochum beim Spiel gegen Nürnberg der Einsatz von Pyrotechnik zwei Schwerverletzte hervorbrachte. Aber stellen wir diesen Schwerverletzten unter den hunderttausenden Fans, die jeden Spieltag eines der vielen Fußballstadien besuchen, in denen trotz Verbot hin und wieder gezündelt wird, die Anzahl an Versehrten gegenüber, die ein einziger Tag Wintersport während der Saison hervorbringt, dann liegt der Schluss nahe, dass ein gemeiner Skifahrer mehr Potential zum randalierenden Chaoten mitbringt, als ein Fußballfan.

Eine mediale Hetze gegen Wintersportler würde aber vermutlich nicht die Auflage steigern. Obwohl die Maßnahmen im Kampf gegen Skifahrer der Kategorie C einiges an Unterhaltungswert versprächen. Bei den ersten Schneefällen könnten aktenkundigen Pistenrowdies Ausreise- und weiträumige Skigebietverbote erteilt werden, neben der Pflicht, sich dreimal täglich auf einer Polizeistation zu melden, um so heimliches Skilaufen zu unterbinden. Wer sich auf dem Weg zum Skilift ungeschickt anstellt und in eine Ausweiskontrolle gerät, landet schneller in der Datei ’Gewalttäter Ski’, als er sich versehen kann, und schon flattert einem ein dreijähriges Pistenverbot ins Haus. 

In Verbindung mit Wintersport klingt das alles ziemlich albern, für Fußballfans sieht so nicht selten die Realität aus. Wobei natürlich nicht alle Stadionverbote als ungerechtfertigt dargestellt werden sollen, aber was im Augenblick an immer neuen Sanktionen seitens der Verantwortlichen aus dem Ärmel geschüttelt wird, um einem Problem entgegenzuwirken, welchem zwar durch die Medien immer mehr Aufmerksamkeit zuteil wird, welches objektiv gesehen aber nicht an Bedrohlichkeit zunimmt, macht doch ein wenig Sorgen, welche Sau wohl als nächstes durchs Dorf getrieben wird, falls die Pressewelt einmal den Spaß an Kriegsszenarien am Rand von Fußballspielen verloren hat und auf den nächsten Zug aufspringt. Bis es soweit ist, könnte man doch vielleicht die Sau etwas weniger jagen, dafür die Kirche ein bisschen mehr im Dorf lassen, denn solange auf künstlich erzeugte Hysterie mit überzogenem Aktionismus reagiert wird, kann es eigentlich nicht friedlicher werden. Sollte aber irgendein Innenministerium erneut einen Rückgang der fußballbezogenen Delikte vermelden, wird das bestimmt am harten Durchgreifen der Polizeibeamten liegen. Deren Vergehen tauchen in der Statistik ja nicht auf....</p>]]></content:encoded>
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